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Aus dem Förderprogramm: 9 Learnings für Citizen-Science-Projekte

16. März 2026 By Redakteur

Wie kann Wissenschaft gesellschaftlichen Wandel nicht nur beschreiben, sondern aktiv mitgestalten? Das Förderprogramm 2022–2023 „Citizen Science zu gesellschaftlichen Aspekten der Nachhaltigkeit“ der Hans Sauer Stiftung hat genau das erprobt. Mit dem Förderprogramm unterstützte die Stiftung Vorhaben, die wissenschaftsbasiert gesellschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeit untersuchen und dabei einen kollaborativen und ko-kreativen Citizen-Science-Ansatz verfolgen.

Zum Abschluss der Förderlaufzeit kamen Projektpartner*innen und Stiftung in gemeinsamen Abschlussgesprächen zusammen, um die Erkenntnisse und Ergebnisse der 11 geförderten Projekte zu reflektieren und zu ermitteln: Was braucht es, damit Citizen Science gelingen kann? Die wichtigsten Learnings aus diesen Gesprächen stellen wir hier vor.

1. Vertrauensaufbau erfordert Nähe, Struktur und Relevanz

Erfolgreiche Citizen-Science-Projekte zeichnen sich nicht allein durch methodische wissenschaftliche Exzellenz aus. Sie basieren besonders auch auf sozialer Verortung und verbindlichen Strukturen. Regelmäßige Treffen, klare Ansprechpartner*innen und Themen mit Alltagsbezug – wie Wasserqualität im Badegewässer, Leerstand oder nachhaltiges Wohnen – fungierten als Anker für Motivation und langfristiges Engagement. Feste Termine, flexible, niedrigschwellige Angebote mit unterschiedlichem Beteiligungsgrad und lokale Verankerung durch Netzwerke ermöglichten es insbesondere, dass neue Teilnehmende einfach andocken konnten, auch unabhängig von Bildung oder Vorerfahrung. Damit wurde in vielen der Projekte deutlich, dass Wissenschaft besonders dort sichtbare gesellschaftliche Wirkung entfaltete, wo sie sich in konkrete lokale Kontexte einschrieb. Das wird insbesondere ermöglicht, indem Wissenschaftler*innen als sichtbar handelnde und involvierte Akteur*innen, nicht nur als externe Beobachter*innen, auftreten.

2. Partizipation lebt von Beziehungen

Die Beteiligung in den Projekten war selten nur durch Informationsinteresse motiviert: Häufig waren die Gründe, teilzunehmen, emotional aufgeladen, getragen vom Wunsch, konkrete Veränderungen im eigenen Umfeld anzustoßen. Besonders dort, wo Kommunikation authentisch und Beziehungen auf Augenhöhe gestaltet wurden, entstand ein Klima des Vertrauens. Die Wissenschaftler*innen übernahmen in den Projekten oft die Rolle einer moderierenden Instanz, die Räume öffnete, unterschiedliche Perspektiven ernst nahm und Beteiligung aktiv ermöglichte.

3. Methoden müssen zum Kontext passen

Mehrere Menschen stehen um einen Tisch herum, auf dem eine Karte ausgebreitet ist. Die Karte ist mit Post-Its beklebt. Die Menschen sind von oben aufgenommen. Sie deuten auf unterschiedliche Punkte der Karte und befinden sich im Gespräch dazu.

(c) Anna Grimbs

Partizipative Forschung verlangt eine kontextsensitive Methodenauswahl. Besonders erfolgreich waren besonders für den Beginn Formate wie Kartierungen, Beobachtungsspaziergänge oder Peer-Interviews, die Zugangshürden senkten, Alltagsbezug herstellten und eigenständige Forschungserfahrungen ermöglichten. Methoden, die Selbstwirksamkeit erfahrbar machten, verstärkten das Engagement deutlich. Gleichzeitig zeigte sich: Gute Bedingungen – etwa transparente Kommunikation, Raum für Unklarheiten und ggf. auch Aufwandsentschädigungen – stabilisieren die Beteiligung nachhaltig.

 

4. Ko-Kreation ist ressourcenintensiv, aber besonders erkenntnisreich

Citizen Science ist kein „schneller Weg“ zur Datenerhebung, sondern ein Prozess des gemeinsamen Forschens und Aushandelns. Dieser Prozess erfordert Zeit, Moderation, Beziehungsarbeit und die Bereitschaft, mit Unsicherheiten und Rollenkonflikten umzugehen. Dafür sollten entsprechend Ressourcen eingeplant werden. Gerade durch diese Tiefe entstehen jedoch nachhaltige Wirkungen: in Form von lokalem Wandel, neuem Wissen, institutionellen Anschlussvorhaben oder politischer Anschlussfähigkeit.

5. Die Rolle von Lokalpolitik und Verwaltung ist entscheidend

Offene und kooperationsbereite kommunale Akteur*innen wirken in vielen Projekten als Schlüsselpersonen für die Wirksamkeit von Citizen-Science-Projekten. In den Projekten, in denen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft ein gemeinsames Ziel verfolgten, entstanden besonders produktive Transformationsdynamiken.

Gleichzeitig zeigte sich in einigen Projekten, dass fehlende Ressourcen in manchen Kommunen eine Beteiligung auf Augenhöhe erschwerten. Die Projekte profitierten dort, wo genug Zeit für den Vertrauensaufbau zur Verfügung stand. Andersrum öffentlich wahrnehmbare Beteiligung politischen Druck erzeugte, sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen.

In einigen Projekten war aber auch eine Erkenntnis, dass Projekte mit Bürger*innenbeteiligung potenziell stärkeren politischen Handlungsdruck als rein akademische Studien erzeugen können. In diesen Projekten machten Beteiligte die Erfahrung, dass viele kommunale Entscheidungsträger*innen die Ergebnisse ernster nahmen, weil sie gemeinsam mit lokalen Gruppen entwickelt wurden.

6. Citizen Science als intermediärer Raum des Lernens

Mehrere Menschen stehen vor einem Whiteboard, auf dem das Wort "Diskriminierung" steht. Die Menschen stehen im Freien und es ist sonnig. Sie scheinen über den Inhalt des Posters zu diskutieren.

(c) Poliklinik Veddel

Die Projekte wurden von den Beteiligten oft als „Middle Ground“ zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft bezeichnet. Damit eröffnet Citizen Science einen Raum wechselseitiger Verständigung, in dem neue Rollen, Perspektiven und Erkenntnisse erprobt werden konnten. In den Projekten entwickelten die teilnehmenden Bürger*innen Forschungskompetenzen und Selbstbewusstsein in der Beteiligung, während viele der Forschenden lernten, Alltagserfahrung als legitime Wissensquelle zu verstehen. Dieser gegenseitige Perspektivwechsel wurde als zentrales Lernmoment und als Grundlage einer offenen Wissenschaftskultur hervorgehoben.

Im Gegensatz zu klassischen Studien, bei denen die Erkenntnisse oft nachträglich vermittelt werden müssen, waren diese Projekte von Beginn an in der Praxis verankert. Die Umsetzung war dabei also integraler Bestandteil der Forschung. Die Projekte machten dabei auch oft Hochschulen vor Ort bekannt und anschlussfähig, dabei ergaben sich neue Kooperationen zwischen Kommunen und Hochschulen. Dieses Vertrauen kann als Grundlage für weitere Kooperationen dienen.

7. Oft übersehene Zielgruppen überraschen positiv

Die aktive Einbindung junger und nicht-akademischer Gruppen in einigen der Projekte zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial in oft übersehenen Akteursgruppen liegt. Jugendliche übernahmen dabei Verantwortung, entwickelten Methoden mit, gestalteten Formate (z. B. Podcasts) und trugen zur Sichtbarkeit der Projekte bei. Gleichzeitig wurde deutlich: Diese Gruppen brauchen gezielte Ansprache, Orientierung und klare Wertschätzung ihrer Beiträge. Formate, die an Lebensrealitäten der Beteiligten andocken und zum Beispiel an Orten stattfinden, die für diese vertraut sind, senken dabei Einstiegshürden und wirken langfristig identitätsstiftend.

8. Wissenschaftliche Relevanz und gesellschaftliche Wirkung schließen sich nicht aus

Die Projekte zeigten, dass wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn und gesellschaftliche Relevanz nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig befördern können. Durch die ko-kreativen Prozesse entstanden Erkenntnisse, die sowohl akademisch anschlussfähig als auch praktisch anwendbar waren: Dazu zählen Netzwerke, neue Konzepte, politische Anschlussfähigkeit, Publikationen und Förderanträge in neuen Allianzen.

Dabei ist wichtig zu beachten: Durch die Einbindung von Bürger*innen entsteht nicht automatisch „besseres“, aber ein anderes, kontextualisiertes und im Alltag verankertes Wissen. Dieses ist nicht allein das Ergebnis systematischer Datenerhebung, sondern eines kollektiven Aushandlungs- und Gestaltungsprozesses.

9. Partizipation bedingt Kontrollverlust und Lerngewinn

Die Abgabe von Kontrolle über den Forschungsprozess und die Anforderungen an Ergebnisoffenheit stellten für viele Forschende zunächst eine Herausforderung dar. Partizipation verlangt das Akzeptieren von anderen Logiken, Wissensformen und Zielen – und führt so zu einer Reflexion etablierter Forschungsstandards. Die klassische Trennung zwischen Forschenden und Beforschten wurde in vielen der Projekte aufgelöst: Wissenschaftler*innen agierten auch als Bürger*innen, und umgekehrt übernahmen Bürgerwissenschaftler*innen forschende Rollen.

Dabei zeigte sich: Gerade dieses reflektierte Rollenverständnis ermöglichte Lernen auf beiden Seiten über gesellschaftliche Realitäten, wissenschaftliche Praxis und die Bedingungen gemeinsamen Forschens.

Projektdokumentation

Für alle, die gerne mehr über die Ergebnisse und Erkenntnisse aus den von uns geförderten Citizen-Science-Projekten erfahren möchten, hat das Förderteam eine umfangreiche Programmdokumentation erstellt. Die Publikation präsentiert u.a. Ziele und Methoden der Förderung, stellt die Projekte und Organisationen aus dem Programm vor und teilt weitere Reflexionen zu Gelingensbedingungen von Citizen-Science-Projekten. Ein spannender Einblick für alle, die ähnliche Vorhaben planen oder begleiten.

Projektdokumentation herunterladen

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Beitragsbild: (c) Anna Grimbs: Workshopteilnehmende im Projekt „Eichstätt für alle“ beim gemeinsamen Kartieren.

 

Kategorie: News

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