Hans Sauer Preis 2014 im Oskar von Miller Forum in München verliehen

19. März 2014

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Fotos: Astrid Eckert

Am 13. März 2014 wurde im Münchner Oskar von Miller Forum feierlich der Hans Sauer Preis 2014 für „Planen und Bauen für Ressourcenschonung und Generationenvielfalt“ vergeben. Im Fokus des Wettbewerbs „RE:GENERATIONEN. RE:GENERATIV.“ standen städtische Wohnungsbauten, die in generationeller Hinsicht und mit Blick auf Ressourcenverbräuche als vorbildlich einzuschätzen sind. Um die unterschiedlichen Herausforderungen in Bestands- und Neubauten stärker zu akzentuieren, hat sich die Jury entschlossen, den Preis in zwei Kategorien, dotiert mit jeweils 7.500 € Preisgeld, aufzuteilen. In der Kategorie Neubau konnte die Jury ein vom Büro aardeplan (Baar) geplantes Mehrfamilienhaus im Schweizer Ort Kriens (Kanton Luzern) am meisten überzeugen. Der Preis in der Kategorie Bestand ging an das Augsburger Büro lattkearchitekten für die Modernisierung einer Wohnanlage aus den 1960er Jahren (Augsburg Grüntenstraße). Einen Sonderpreis für „Soziale Innovation“ ging an das Wiener Projekt „VinziRast – mittendrin“.

In der Kategorie Neubau ging das Mehrfamilienhaus am Kirchrainweg im schweizerischen Kriens als Sieger aus dem dreistufigen Wettbewerbs hervor. Das Wohnhaus mit fünf Wohneinheiten konnte in allen acht Kriterienbereichen punkten und verwirklicht durch ein Bauen nach dem Modell der „2000-Watt-Gesellschaft“ weitreichende Nachhaltigkeitsansprüche. Der Bau kombiniert und integriert eine klimaneutrale Energieversorgung, Holzbau, ein Car-Sharing-Konzept, Recycling- und Demontagefähigkeit, eine Orientierung der Wohnungen zu drei Himmelsrichtungen und intelligente Stromsteuerung mit Aspekten der Barrierefreiheit oder der generationengerechten Nutzungsflexibilität. Insgesamt gelingt es dem Projekt ganz selbstverständlich, Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen, fügt sich sehr gut in den soziokulturellen Kontext und zudem einen zukunftsweisenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen.

Nicht weniger beeindruckt zeigte sich die Jury vom Preisträger in der Kategorie Bestand. Nach einhelliger Meinung der Jury stellt die Sanierung und Ertüchtigung des Wohngebäudebestandes der 1950er bis 1970er Jahre eine der drängendsten Bauaufgaben dar, um Klimaschutzziele, aber auch notwendige Anpassungen an demografische Entwicklungen zu erreichen. Ein solches Objekt haben lattkearchitekten in der Augsburger Grüntenstraße modernisiert: Eine Wohnanlage mit 60 Wohneinheiten wurde im bewohntem Zustand energetisch saniert und generationengerecht modernisiert. Durch eine maximale Vorfertigung von Bauelementen konnte die Bauzeit und damit die Mieterbelastung deutlich reduziert werden.

Die Sanierungsmaßnahmen dauerten von August 2011 bis zum Frühjahr 2013 und umfassten eine Wohnraumerweiterung durch Wintergärten, eine Erneuerung der Sanitärbereiche und die Schaffung von barrierefreien Zugängen zu den Wohnungen. Die Mieter profitierten darüber hinaus durch den Schall- und Lärmschutz der neuen Fenster und der Fassade, durch konstante Zimmertemperaturen und damit verbundene jährliche Kosteneinsparungen in Höhe einer Warmmiete.

Im Rahmen des Projektes „TES EnergyFacade“ (gewann den Deutschen Holzbaupreis 2011 in der Kategorie „Komponenten/Konzepte“) konnte eine innovative Lösung für die energieeffiziente Gebäudemodernisierung von Bestandsgebäuden gefunden werden. Das modulare System erlaubt eine schnelle Bauzeit, gewährleistet U-Werte gemäß Neubaustandard und berücksichtigt auch die zukünftig immer relevanter werdende Betrachtung des Primärenergiegehalts von Baustoffen („Graue Energie“). Dies wurde auch von der Jury explizit gewürdigt, die zudem die gesellschaftliche und ökologische Bedeutung der Bauaufgabe speziell dieses Bautyps hervorhob.

Einem in vielerlei Hinsicht, insbesondere aber mit Blick auf das Nutzungskonzept bemerkenswerten Projekt hat die Jury einen Sonderpreis für „Soziale Innovation“ verliehen: Die „VinziRast – mittendrin“ in Wien, geplant und gebaut vom Wiener Büro gaupenraub +/-. Das VinziRast-Projekt liefert den gebauten Gegenbeweis, dass ein nachhaltig orientiertes Bauen nicht nur besserverdienende Bevölkerungsschichten erreichen kann: Das Nutzungskonzept sieht Wohnraum für Obdachlose und Studierende vor und wurde von Projektbeginn an geprägt durch soziale Belange, auf Elemente der barrierefreien Gestaltung wurde großer Wert gelegt. Daneben war der größtmögliche Bestandserhalt ein zentrales Um- und Ausbauziel. Das knapp 200 Jahre alte Biedermeierhaus wurde weitgehend erhalten, alte Baumaterialien wiederverwertet, Türen instandgesetzt und Kastenfenster saniert. Ein aufgesetztes Dachgeschoss harmonisiert mit dem Bestandsgebäude, gleichzeitig werden innen und außen überzeugende Kontraste zwischen Alt und Neu gesetzt.

Die nominierten und die Siegerprojekte werden vom 25.3. bis zum 27.3.2014 auf der „aveneo – Raum für Innovationen“-Sonderschau auf der Altenpflegemesse 2014 in Hannover zu sehen sein (Halle 21, Stand C05). Eine Dokumentation des Wettbewerbs ist für den Sommer 2014 geplant.