Hans Sauer Stiftung ruft den „werkraum“, eine Selbstbauwerkstatt für Flüchtlinge ins Leben

11. Juli 2016

Die Hans Sauer Stiftung beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema „Social Design“. In der modernen Designpraxis spielt neben der Gestaltung der Einbezug von Nutzern und Stakeholdern in die Prozesse eine immer größere Rolle.

In diesem Sinne hat die Hans Sauer Stiftung während der Social Design Elevation Days im Februar 2016 einen Abend veranstaltet, bei dem es um den Selbstbau von Möbeln für eine Flüchtlingsunterkunft ging. Dazu wurden die betroffenen Bewohner eingeladen. Auf Grund des Erfolgs dieses Abends wurde zusammen mit der Caritas, der Akademie der bildenden Künste München, Bohn Architekten und der Landeshauptstadt München in einer zentralen Unterkunft in München eine kolloborative Werkstatt eingerichtet.

Im „werkraum“ arbeiten seit April dieses Jahres jedes Wochenende Geflüchtete unter professioneller Anleitung in einer Werkstatt, die in der Unterkunft temporär angesiedelt werden konnte, und stellen Holzmöbel nach Entwürfen der Akademie für bildende Künste München her. Dazu erheben zwei Werkstattleiter gemeinsam mit den Bewohnern die Bedarfe vor Ort und entwickeln daraus Konzepte für Möbel und Alltagsgegenstände.

So entstanden im werkraum Bänke, Tische, Arbeitsböcke, Schubwägen, Theken, ein Wäscheregal sowie Fussballtore. Die Möbel werden vor allem im Außenbereich der Unterkunft eingesetzt und finden großen Anklang. Auf Grund der kurzen Wege kann schnell und konkret auf die Bedarfe der Bewohner eingegangen – und auch mal nebenbei eine kleine Reparatur erledigt werden.

In der Unterkunft lebten zwischenzeitlich bis zu 1000 Personen aus mehr als 12 Ländern. Beim gemeinsamen Machen entstehen Kontakte, Austausch und ein Miteinander, das über das reine Bauen hinausgeht. Das Projekt geht einer in zahlreichen internationalen Social Design-Projekten bearbeiteten Fragen nach: Welche Innovationspotentiale stecken in kooperativen und kollaborativen Formen des Lernens, Gestaltens und Arbeitens?

So versteht sich der werkraum einerseits als ein niedrigschwelliges Beschäftigungsangebot, das den Alltag in der Unterkunft auch gestalterisch aufwertet. Andererseits geht es darum, den Bewohnern integrative Perspektiven eröffnen, sie technisch vorqualifizieren und Wege ins Berufsleben – mithin ja auch in einem dazu gegründeten Social Business – zu ebnen. Und schließlich steht die Frage im Raum, inwieweit Selbstbau und kollaborative Gestaltungsprozesse neue Wege des interkulturellen Miteinander bzw. des Ankommens in unserer Gesellschaft bieten. 

Derzeit befindet sich der werkraum auf der Suche nach einer neuen Wirkungsstätte, da die bis genutzte Unterkunft geschlossen und die Bewohner in andere Unterbringungen verteilt werden. Über sachdienliche Hinweise, die zu einem neuen Standort verhelfen könnten, wäre die Hans Sauer Stiftung sehr dankbar.

Im Rahmen der Präsentation des werkraums auf der Jahresausstellung der Akademie der bildenden Künste in München ist ein Flyer entstanden, der HIER zum Download bereit steht.