Buch über Joseph Fraunhofer: Fraunhofers Spektren
Joseph von Fraunhofer ist im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer Symbolfigur der erfolgreichen Verbindung von Wissenschaft und Industrie geworden, eine kulturelle Vereinnahmung, der der Wissenschaftshistoriker Myles Jackson in seinem mit einem historischen Sonderpreis ausgezeichneten Buch auch ein Kapitel gewidmet hat. Darüber hinaus hat Jackson ein beeindruckendes und spannendes Buch über Fraunhofers Zeit verfasst, das zudem sehr anschaulich geschrieben ist. Anhand seines Wirkens zu Beginn des 19. Jahrhunderts behandelt Jackson hochaktuelle Fragen, die auch die heutige Diskussion um Grundlagen- bzw. angewandte Forschung befruchten können. Er liefert damit einen beachtlichen Beitrag für eine derzeit hochbrisante, politische Diskussion.
Jackson schildert Fraunhofer als einen „freien Erfinder“, der sein handwerkliches Können einsetzt, um ein erfolgreiches Unternehmen zu etablieren. Der Erfolg basierte, so erklärt Jackson, zu einem guten Teil auf der mönchischen Kultur seines Arbeistortes Benediktbeuren und der strikten Einhaltung von „secrecy“, von Geheimhaltung, zu verstehen als Fraunhofers tief in der Handwerkskultur verwurzeltes Verständnis vom Umgang mit geistigen Eigentumsrechten. Dass Fraunhofer sein Wissen und seinen Erfolg mit in den Tod nahm, führte schnell zu einer Mythenbildung, vor der sich Myles Jackson wiederum hütet, weil er keine Heroengeschichte schreibt, sondern am Beispiel Fraunhofers zentrale Fragen der Technik-, Wirtschafts- und Wissenschaftsgeschichte nachgeht.
Angesichts der Aktualität der Thematik, der überzeugenden Darstellung Jacksons sowie des erstaunlichen Mangels an aktueller Literatur über diese Ikone der deutschen Wissenschaftsgeschichte hat die HANS-SAUER-STIFTUNG Myles W. Jacksons’ Buch nicht nur mit einem historischen Sonderpreis ausgezeichnet, sondern auch dessen deutsche Übersetzung (Titel: „Fraunhofers Spektren. Die Präzisionsoptik als Handwerkskunst“) finanziert, die im Frühjahr 2009 im Göttinger Wallstein-Verlag erschienen ist.
Der Autor:
Myles W. Jackson, geboren 1964 in Paterson, New Jersey, hat 1991 an der University of Cambridge im Fach Wissenschaftsgeschichte und -theorie promoviert und seitdem mehr als dreißig Artikel über die Geschichte der deutschen Wissenschaft und Technik im 18. und 19. Jahrhundert geschrieben, außerdem zwei Bücher, das vorliegende (MIT Press, 2000) und Harmonious Triads: Physicists, Musicians, and Instrument Makers in Nineteenth-Century Germany (MIT Press, 2006). Für Spectrum of Belief erhielt er 2005 den Paul-Bunge-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie und der Hans R. Jenemann-Stiftung für herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente, und 2008 den Hans-Sauer-Preis (Historischer Sonderpreis für Forschung über Erfinder). Derzeit befasst er sich mit Problemen des geistigen Eigentums und der Humangenetik. Jackson ist Dibner Family Professor of the History and Philosophy of Science and Technology, Senior Faculty Fellow am Othmer Institute for Interdisciplinary Studies, Director of Science and Technology Studies und Head of the Department of Humanities and Social Sciences des Polytechnic Institute der New York University. Außerdem Professor of the History of Science an der Gallatin School der New York University.