Projekt an der HANS-SAUER-PROFESSUR für Metropolen und Innovationsforschung der Humboldt-Universität in Berlin: Förderung von Umwelt- und Wassertechnologie-Innovationen durch Technologie-Mediation
Für das Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen liegt in technischen Innovationen ein großes Potential und gerade im Wasser- und Sanitärbereich sind innovative Ideen gefragt. Jedoch sind in die Entwicklungs- und Schwellenländer exportierte Technologien häufig nicht an die dortigen lokalen und kulturellen Gegebenheiten angepasst. Aufgrund technischer Entwicklungen, die an den Nutzerbedürfnissen, -einstellungen und -wissen vorbeigehen, kommt es zu Akzeptanz- und Wartungsproblemen, Fehlnutzungen oder sogar Vandalismus. Ausgehend von diesen in zahlreichen Transferprojekten gewonnenen Erfahrungen befasst sich die Dissertation von Friederike Wagner mit der Frage, wie Erfinder und Entwickler von Umwelttechnologien dabei unterstützt werden können, die Perspektive zukünftiger Nutzer aus Entwicklungs- und Schwellenländern besser in den Entwicklungsprozess von Technologien einzubeziehen.
Das Dissertationsprojekt von Friederike Wagner arbeitet mit Mitteln der Innovationsforschung und der Psychologie an einem neuartigen Ansatz zur Beförderung einer nutzer- und umweltgerechteren Technologieentwicklung, der so genannten „Technologie-Mediation“. Ziel ist, Werkzeuge und Handlungsraster zu entwickeln, die es ermöglichen, Nutzerwissen, -wünsche und -vorstellungen systematisch in den Entwicklungsprozess von Umwelttechnologien einzubeziehen, um damit einen erfolgreichen Einsatz bzw. Transfer solcher Technologien in die meist nicht im europäisch-amerikanischen Raum liegenden Gebiete mit den drängenden Wasserproblemen zu befördern. Ausgangspunkt sind die zwischen Nutzern und Entwicklern bestehenden Unterschiede; Technologie-Mediation sucht nach Möglichkeiten, diese zu überbrücken oder zu reduzieren. Konkret wird der Ansatz am Beispiel der Wasseraufbereitung für Entwicklungs- und Schwellenländer entwickelt und verschiedene Entwicklungs- und Innovationsprojekte begleitet, deren Ziel die Entwicklung und der Transfer dezentraler Wasseraufbereitungsanlagen und -einrichtungen ist.
Das Projekt begleitet im Sinne von Fallstudien konkrete Einzelprojekt, so das EU-finanzierte Projekt ZerO-M zur Verbreitung von Wissen zur Brauchwasseraufbereitung oder das Wasserhaus-Projekt (www.wasserhaus-suedafrika.de), in dessen Rahmen in einer kleinen südafrikanischen Gemeinde in der Provinz Eastern Cape ein Gebäude errichtet werden soll, das den Bewohnern der Gemeinde die Möglichkeit gibt, dort ihre Wäsche zu waschen und zu duschen. Einzelne Komponenten der mit psychologischen Methoden arbeitenden Technologie-Mediation wurden mithilfe einer breiter angelegten Befragung vertieft und auf eine breitere empirische Grundlage gestellt.