Experimentelle Studien zur Untersuchung der Aufnahmefähigkeit von zytotoxischen Chemotherapeutika im Krebsgewebe durch zusätzlich angelegte elektrische Felder
Gegenstand war ein neues Verfahren, das die Aufnahmefähigkeit von Zytostatika mit Hilfe eines gepulsten externen elektrischen Feldes stark erhöht. Der Vorteil besteht in einer erheblichen Reduktion der therapiebedingten Nebenwirkungen, in weniger starken Chemodosierungen, womit die Lebensqualität der Patienten gesteigert werden kann.
Die Chemotherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der durch Einsatz von sog. zytotoxischen Chemotherapeutika der Krebs bekämpft wird. Ein neu entwickeltes Verfahren basiert auf der Grundlage, dass die Aufnahmefähigkeit von Zytostatika durch ein gepulstes externes elektrisches Feld stark erhöht werden kann. Der Vorteil einer solchen Elektrochemotherapie, darunter versteht man eine Kombination aus der heute angewendeten Chemotherapie und aus elektrischen Feldern, besteht in einer erheblichen Reduktion der therapiebedingten Nebenwirkungen, da die Dosis an Chemotherapeutika stark gesenkt werden kann, ohne an Effizienz der Therapie zu verlieren. Dies schafft dem Krebspatienten eine verbesserte Lebensqualität während der Therapie. Gearbeitet wird mit Zellkulturen (Lymphom Zellen der Maus), die mit verschiedenen zytotoxischen Chemotherapeutika (5-Fluorouracil und Bleomycin) inkubiert und mit desgleichen unter Zusatz von elektrischen Feldern verglichenwerden.
Nach anfänglichen Problemen konnten zahlreiche positive Testresultate, vor allem mit 5-Fluorouracil vermerkt werden. Die Aufnahmefähigkeit der Tumorzellen, die mit 5-Fluor-ouracil und Strom inkubiert wurden, ist deutlich erhöht: Die Steigerung beträgt ca. 25 %. Die Quantität des Zytostatika im Tumor wurde mit radioaktiv markiertem 5-Fluorouracil ermittelt.
Erste Ergebnisse haben gezeigt, dass es bei kleinen Tumoren (maximal bis 450 mg) zu einer wesentlich erhöhten Aufnahme an 5-Fluorouracil im Tumorgewebe kommt. Bei größeren Tumoren kommt es zur Nekrose und es wird kein Effekt mehr sichtbar. Trotzdem sind die Ergebnisse vielversprechend, da in einer Maßstabsübertragung ein 80 kg schwerer Mensch mit einem Tumor von 2 kg (entspricht also 500 mg in einer 20 g Maus) nicht mehr lebensfähig wäre. Die Überwachung der Wachstumsphase der implantierten Tumore gestaltete sich als äußerst schwierig. Die weitere Vorgehensweise wird sein, Tumoren in einem Fenster von bis zu maximal 500 mg in Mäusen heranwachsen zu lassen und anschließend sofort zu therapieren. Anschließend soll eine Veröffentlichung mit allen Details herausgegeben werden. Als letztes Ziel haben sich die Forscher vorgenommen, immunfreien Nackt-Mäusen menschliche Tumore zu implantieren und zu behandeln. Diese letzte Versuchsreihe wird zeigen, ob sich die Elektrochemotherapie auch bei menschlichen Tumoren einsetzen lassen wird. Alle Ergebnisse, die im Rahmen dieses Forschungsprojektes gewonnen werden konnten, wurden von Herrn Paul Mazac in seiner Diplomarbeit „Untersuchung zur Steigerung der Aufnahme von 5-Fluorouracil in die murine Zelllinie L1210 durch elektrische Impulse“ wissenschaftlich ausgewertet und zusammengefasst.
Dies sollte den Grundstein für eine folgende Promotion legen. Die HANS-SAUER-STIFTUNG hatte sich bereit erklärt, dieses Vorhaben weiter finanziell zu unterstützen, der zweite Partner, die TU München nicht. Auf Grund der unsicheren Lage und enorm langen Wartezeiten entschlossen sich die Forscher das Vorhaben einzustellen.