Home not Shelter!

Gemeinsam wohnen statt getrennt leben. Neue Wohnlösungen für Studierende und Flüchtlinge

Hintergrund

Wohnen ist nicht nur eine Frage der „Unterbringung“, sondern ein Grundrecht, das eng verknüpft ist mit der Frage der sozialen Teilhabe an der Gesellschaft. Dies betrifft insbesondere Menschen, die keine oder nur wenige Möglichkeiten haben, über ihre Wohnsituation selbst zu entscheiden. Davon sind besonders Flüchtlinge und MigrantInnen betroffen. In der aktuellen Flüchtlingssituation stehen ArchitektInnen und PlanerInnen vor der Aufgabe, geeignete Wohnräume für die betroffenen Menschen zu denken und zu entwerfen, die nicht nur kurzfristige Sonderunterkünfte sind („Shelter“), und damit den Wandel unserer Städte eine soziale, kulturelle und räumliche Form und Struktur zu geben. Die Herausforderung besteht darin, architektonische Strategien zu entwickeln, wie Zuwanderung gedacht werden kann, so dass sie für Städte und Gemeinden nicht nur sozial verträglich, sondern auch kulturell bereichernd gestaltet werden kann. Eine hochschul- und ländergreifende Initiative stellt jetzt die Frage nach neuen gemeinschaftlichen Wohnformen für Flüchtlinge und Studierende. Lassen sich Integrations- und Teilhaberchancen durch städtebauliche und architektonische Maßnahmen in diesem Bereich verbessern?

Projekt 

In diesem Projekt sollen Potentiale der Architektur und Stadtplanung ausgelotet und visionäre, zugleich umsetzbare Strategien entwickelt werden, die nicht nur menschenwürdige Lebensräume, sondern auch sozialräumlich günstige Voraussetzungen für Integrationsprozesse schaffen. Architekturstudenten der Jade Hochschule Oldenburg, der Technischen Universität Berlin, der Technischen Universität Wien, der Technischen Universität München und der Universität Hannover haben die Aufgabe, sich zu diesen Themen Gedanken zu machen und eigene Entwürfe zu erarbeiten, wie ein Wohnen in Gemeinschaft zwischen Studierenden und MigrantInnen aussehen kann. Die Kombination erscheint vielversprechend: So sind Studierende im Allgemeinen weltoffen, tolerant, als Gruppe selbst kulturell sehr vielfältig und in der Regel interessiert an anderen Menschen und Kulturen. Hinzu kommt, dass Wohnen für Studierende meist temporären Charakter hat und in dieser Lebensphase auch oft unkonventionelle Wohnformen gesucht und erprobt werden. Die Tatsache, dass Studierenden häufig selbst Neuankömmlinge an den Studienorten sind und ein besonderes Interesse an einem neuen Sozialumfeld haben, kann sich ebenfalls positiv auf die Entwicklung neuer (Wohn-) Gemeinschaften auswirken. Im umgekehrten Fall können die MigrantInnen mittel- und langfristig einen wertvollen Beitrag für gemeinsame Wohnformen bieten. Ihre Sprache, Kultur, und Erfahrungen können den Horizont der Studierenden erweitern. Wichtiger aber noch: der temporäre Charakter solcher Wohnformen kann den Bedürfnissen junger Flüchtlinge und MigrantInnen sehr entsprechen. Auch sie befinden sich in einer (ungleich dramatischeren) Phase des biografischen Übergangs, die ihren erfolgreichen Abschluss in anderen, nichttemporären Wohn- und Lebensformen finden kann und soll.

Das Projekt ist bewusst nahe an der Lebenswirklichkeit der Studierenden angesiedelt: Sie sollen sich selbst in die Lage versetzen und darüber nachdenken, wie ein Zusammenleben mit MigrantInnen ausgestaltet werden könnte, wie in solchen Wohnformen tägliches Leben, gemeinsame Bildungsprozesse und gleichzeitig kulturelle Vielfalt organisiert und gestaltet werden könnte. Die Projekte sollen prototypische positive Beispiele sein, wie man in der räumlichen Unterbringung von MigrantInnen von einer Logik der Ausgrenzung zu einer Kultur der Integration kommen kann, wie Orte geschaffen werden können, an denen interkulturelles Zusammenleben nicht nur möglich ist, sondern auch räumlich und lebensnah gefördert wird.

Umsetzung 

Die Studenten der drei teilnehmenden Universitäten werden ein Semester lang in Gruppenarbeit ein Projekt bearbeiten, bei dem sie ein Wohnheim entwerfen sollen, das den Bedürfnissen eines gemeinschaftlichen Wohnens von StudentInnen und MigrantInnen gerecht wird. Begleitet wird diese Arbeit von einem Rahmenprogramm, beginnend mit einer Auftaktveranstaltung in Frankfurt am 24. und 25.10.2015. Hier wurden den Studenten Input-Referate von fachkompetenten Architekten, Soziologen und Privatwirtschaftlern zum Thema Unterkünfte geboten, um ihnen eine inhaltliche Basis für ihre Arbeit zu liefern. Weitere Treffen in Berlin und Wien folgen, zum Abschluss werden sie zu den von der Hans Sauer Stiftung veranstalteten Social Design Elevation Days nach München eingeladen, wo die StudentInnen die Möglichkeit bekommen, ihre Entwürfe zu präsentieren und mit Stakeholdern aus allen relevanten Bereichen rund um den Wohnheimsbau und Flüchtlingsunterbringung weiterzuentwicklen und auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen.