FabLab München

Offene Werkstatt macht High-Tech-Produktionstechnologien für alle zugänglich

Hintergrund

Eine weltweite Bewegung könnte ein neues Kapitel der industriellen Produktion einleiten: Mithilfe sogenannter „Rapid Manufacturing Technologien“ werden sonst nur in Industrieunternehmen verfügbare Produktionsmöglichkeiten für jedermann und dezentral zugänglich gemacht. Begonnen hat die kleine Revolution mit einem Seminar am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston: Der Mathematiker und Physiker Neil Gershenfeld leitete eine Veranstaltung mit dem Titel „make almost everything“, in dem Studierende und Besucher ihrer Kreativität freien Lauf ließen. Seit dieser Geburtsstunde des ersten FabLabs („fabrication laboratory“) im Jahr 2002 wird die FabLab-Idee an immer mehr Orten auf der ganzen Welt aufgegriffen und damit eine unkomplizierte Herstellung von hoch individualisierten Einzelstücken oder nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen ermöglicht.

Projekt

Das FabLab München e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich als eine Community und ein Ort zum Selbermachen versteht. Jedes Mitglied kann mit (zum Teil) selbstgebauten computergesteuerten Maschinen wie Lasercuttern, 3D-Druckern, 3D Scannern, CNC-Fräsen oder Schneideplottern eigene Ideen und Projekte umsetzen, Wissen austauschen und an Kinder und Jugendliche weitergeben. Die offenen Werkstatträume des FabLabs München stehen seit 2011 allen am Selbermachen Interessierten offen und laden ein, sich auf neue Technologien und ihre Möglichkeiten einzulassen. Das FabLab München bietet für Schüler sowohl in der Schule, als auch im FabLab selbst Workshops an. Bereits ab dem Grundschulalter wird das Interesse für Technik geweckt und Kinder können positive Technikerfahrungen sammeln, z.B. beim Löten von einfachen Blinkschaltungen oder beim Lasern und 3D-Drucken. Ab dem Frühjahr 2013 wird der Verein mit einer mobilen Werkstatt unterwegs sein und das FabLab direkt in die Schulen bringen. Dazu haben sich unterschiedliche Kooperationspartner – darunter die Hans Sauer Stiftung – aus dem Raum München zusammengeschlossen und entwickeln ein Konzept, um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. Neben dem Spaß am Tüfteln werden zusätzlich auch Schlüsselkompetenzen wie Transferleistungen, Selbständigkeit und Kooperationsfähigkeit gefördert.

Herausforderung und Lösungsansatz

Die Vernetzung unterschiedlichster Fachbereiche (Informatiker, Maschinenbauer, Techniker, Künstler, Designer, Architekten, Handwerker, Pädagogen, …) eröffnet neue Perspektiven, die Techniker wie auch Künstler und Designer inspirieren. Dieses Umfeld ist wiederum Ideengeber und Ausgangspunkt zur Weiterbildung von Schülern und Interessierten. Das langfristige Bildungsziel des Vereins ist es, das Konzept des FabLabs direkt in Schulen zu verankern. In einem möglichst niedrigschwelligen Angebot sollen neueste Technologien sowie nachhaltiges Denken und Handeln erfahrbar und begreifbar gemacht werden. Dies gelingt am einfachsten direkt in der Schule. Die Lehrer begleiten die Angebote pädagogisch. Kooperationen mit Schulen bieten die Chance, Kinder und Jugendliche aus sehr unterschiedlichen Milieus mit Technik- und Nachhaltigkeitsthemen zu erreichen.

Umsetzung

Bis Ende 2012 wird das mobile FabLab fertiggestellt. Dieses mit unterschiedlichen Kurseinheiten (3D Druck, Lasercut, Elektronik) ausgestattete Mobil wird regelmäßig an die Schulen fahren. Im Raum München wird der Fokus zunächst auf der Lehrer-Wirth-Grundschule und auf dem Feodor-Lynen-Gymnasium liegen. Die Kurse werden dokumentiert und gemeinsam mit den Lehrkräften evaluiert. Weitere Schulen können sukzessive nachfolgen, Gespräche hierzu laufen bereits.

Auszeichnungen

Das FabLab München ist im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als einer der „Ausgewählten Orte 2012“ ausgezeichnet worden. Die gemeinsame Initiative von Bundesregierung und Wirtschaft prämiert seit 2006 Ideen und Projekte, die einen nachhaltigen Beitrag zu der Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft Deutschlands leisten.

Förderung

Die Hans Sauer Stiftung unterstützt das FabLab München bei der Anschaffung neuer Geräte, wie beispielsweise 3D-Druckern und einer CNC-Fräsmaschine. Zusätzlich werden auch Honorarkosten für Kursleiter finanziert, um die Bedingungen für die beliebten Schülerworkshops zu optimieren. Das FabLab München treibt eine Demokratisierung neuester Technologien voran und ist vor dem Hintergrund wichtiger Trends des 21sten Jahrhunderts von hoher gesellschaftlicher und bildungspolitischer Relevanz.